RED BEACH - PRESSESTIMMEN


DONNERSTAG 8. OKTOBER 2009 RHEINISCHE POST

Odyssee eines Mannes - Heinzens "Red Beach"
Von Mathias Schnitzler

Es gibt sie noch: witzig geschriebene Romane aus Deutschland, mit Drive und Verstand, ohne Vollidioten. Ein solches Buch hat jetzt der kleine, aber feine Verlag Ralf Liebe in Weilerswist herausgegeben. "Red Beach" stammt aus der Feder des Düsseldorfer Autors Georg Heinzen. Berühmt wurde er mit seinem Buch "Von der Nutzlosigkeit, erwachsen zu werden". Viele seine Drehbücher sind erfolgreich verfilmt worden, darunter der preisgekrönte Kinofilm "Gran Paradiso"
Heinzen lehrt an der Internationalen Filmschule Köln Filmdramaturgie. (…) Seine Charaktere sind nicht am Reißbrett entworfen, die Dialoge sitzen, sein Witz orientiert sich eher am amerikanischen als am deutschen Format.
"Red Beach" ist der Roman eines Mannes, den der berufliche Erfolg und die private Dominanz seiner Frau in die Flucht getrieben haben. Hans ist Mitte vierzig und Ingenieur, am Abend sitzt er gerne wie Homer Simpson vor dem Fernseher und schaut, ein Fläschchen Bier in der Hand, fern. Anna, eine Gattin, ist wunderschön, gestählt vom Fitnesstraining, und wird als Theaterregisseurin gefeiert.
Eines Tages hat Hans die Nebenrolle satt. Er steigt in den erstbesten Ferienflieger und reist in den Golf von Thailand. Auf der exotischen Tropeninsel Koh Long trifft er skurrile Aussteiger, durchgeknallte Nackte und dubiose Geschäftsleute, die sein Leben komplett auf den Kopf stellen. Zunächst einmal ist Hans "der Mann, der sich nicht nackt auszieht am Strand", doch schon bald fühlt er sich heimisch in der schrägen Strandkommune.
Dass unser Held auf seiner weiteren Irrfahrt, die ihn nach Bali, New York, Paris und Berlin-Mitte treibt, ständig mit Spitznamen wie "Mister No Window" oder "Polyphem" (nach dem Einäugigen aus Homers Odyssee) belegt wird, verweist auf seine unsichere Identität und Rolle. Wann, fragt sich Hans mit Herbert Grönemeyer, wann ist ein Mann ein Mann? Die Auflösung, auch für Frauen lesenswert, gibt es im Buch.


DONNERSTAG 8. OKTOBER 2009 NRZ

Das Leben bleibt eine Baustelle
Von Ulrike Merten

Düsseldorf. Was macht das Buch zum Kultbuch? Der getroffene Nerv, das von Vielen geteilte, noch warme Lebensgefühl zwischen zwei Deckeln? Seismograph des Hormonhaushalts, der Geisteslage seiner Generation zu sein, dagegen hätte Georg Heinzen nichts, bleibt aber skeptisch.
D en Nach-68ern hatte der Düsseldorfer (Drehbuch-)Autor damals, zu Ende seines Germanistik- und Geschichtsstudiums an der heutigen Heine-Uni, mit seinem WG-Freund und Kommilitonen Uwe Koch den gesellschaftspolitischen Puls gefühlt: „Von der Nutzlosigkeit, erwachsen zu werden”. 200 000 verkaufte Exemplare gaben diesem Erstling Recht. 25 Jahre, eine Generation später, ist die studentische Jugend Mittelalter, beruflich mehr oder weniger nützlich geworden und gestrandet am „Red Beach” - Georg Heinzens gleichnamigem, frisch erschienenem Roman.

Leichtigkeit mit Tiefgang

Die Helden sind immer noch auf der Suche, Treibgut im Strom der Möglichkeiten. Das Erwachsenwerden bleibt Baustelle. Geblieben sind zum Glück auch der Humor und die süffige Lust beim Lesen. Neugierige brauchen heute Abend übrigens nur das offene Ohr: Der Autor liest am 8. Oktober ab 20 Uhr in der Oberkasseler Gloria-Halle, Belsenstraße 20, selbst aus seinem neuen Buch.
Es geht um den harmlosen Hans, einen Ingenieur, der seine schöne Frau Anna, erfolgreiche Theaterintendantin und das perfekte Alpha-Wesen, verlässt und am „Red Beach” einer Insel im Golf von Siam (zwischen-)landet, skurrile Typen trifft, schließlich zu einer modernen Odyssee aufbricht. Heinzen erzählt eine Liebesgeschichte, deren zeitgenössisches Scheitern vom Konkurrenzkampf der Geschlechter diktiert wird. Dieser permanente Wettbewerb um Sexiness und Status in den Beziehungen ist vom Büro längst ins Wohn-/Schlafzimmer geschwappt. Nicht weniger aber geht es um diesen wilden roten Strand als schützenswerten Sehnsuchtsort, als Arkadien. Als letzten Platz, so sagt es Georg Heinzen, „der sich den allgegenwärtigen Vermarktungsideen entzieht”. Und nicht zuletzt ist die Reise als Top-Topos in der Literatur stets der Weg zum Selbst, den der filmerfahrene Heinzen (er schrieb u.a. das Drehbuch zum preisgekrönten Kinofilm „Gran Paradiso”, unterrichtet Filmdramaturgie an der Internationalen Filmschule in Köln) in der szenischen Sprache eines Roadmovie erzählt.
„Red Beach” ist Leichtigkeit mit Tiefgang. Und so sitzt Heinzen zwischen den eher-nen deutschen Stühlen mit den Lettern „E” für Ernstes und „U” für Unterhaltung. Für Belletristik zu unterhaltsam, für Unterhaltung zu anspruchsvoll, heißt das aus Großverlags-Vermarkterperspektive. Ein Vergnügen ist die Lektüre allemal. Geschickt wirft der präzise Beobachter Heinzen die Angel nach des Lesers Neugierde aus, der unterschwellige Humor macht ihn unmittelbar zum Sympathisanten, lässt aber noch Raum für (Selbst-)Erkenntnis. „Humor”, sagt der 55-Jährige, „den hat man im Rheinland. Humor hilft Kritik zu formulieren und knackt die Herzen."

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